Ratgeber Lungenkrebs
Ratgeber für Betroffene und Angehörige
Was ist Lungenkrebs?
Der landläufig verwendete Begriff Lungenkrebs umfasst verschiedene bösartige Tumorerkrankungen der Lunge und des Bronchialsystems. Eine Entartung des Gewebes ist in verschiedenen Bereichen der Lunge möglich. Da sich jedoch über 90 % der Lungenkrebserkrankungen in den Bronchien befinden, wird der Begriff Bronchialkarzinom in der Umgangssprache gleichbedeutend verwendet.
Das Bronchialkarzinom ist insgesamt die dritthäufigste Krebsform bei beiden Geschlechtern. Das Robert-Koch-Institut geht von mehr als 46.000 Neuerkrankungen jährlich aus. Das Alter zum Zeitpunkt der Diagnosestellung liegt bei durchschnittlich 68 Jahren. Die Prognose ist eher schlecht, zumal die Erkrankung in der Anfangsphase weitgehend symptomlos verläuft. Etwa 90 % der erkrankten Männer sind Raucher, bei den Frauen sind es etwas weniger.
Beim Bronchialkarzinom handelt es sich um eine bösartige Veränderung des Lungengewebes, welche von Schleimhautzellen, die das Innere der Bronchien auskleiden, ausgeht. Es kommt zu einer unkontrollierten Vermehrung der entarteten Zellen. Je nach Ausbreitung und Wachstum der Krebszellen werden nun das kleinzellige Bronchialkarzinom und das öfter vorkommende nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom unterschieden.
Das kleinzellige Bronchialkarzinom ist besonders bösartig – es wächst sehr schnell und bildet in kurzer Zeit Metastasen. Das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom dagegen wächst langsamer und hat daher eine bessere Prognose . Anhand der gefundenen Krebszellen wird das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom weiter differenziert in das Plattenepithelkarzinom, das Adenokarzinom und das großzellige Karzinom. Im Gegensatz zum kleinzelligen Bronchialkarzinom, welches in nur drei Stadien eingeteilt wird, um die Ausbreitung der Erkrankung einzustufen und die passende Therapie festzulegen, gibt es beim nicht-kleinzelligen Karzinom sieben definierte Stadien (s. Wissenswertes).
Das Bronchialkarzinom wird zwar als Lungenkrebs bezeichnet, doch abhängig von der Lage und dem Ort der Entstehung können noch andere Lungenkrebserkrankungen diagnostiziert werden. Dazu gehört das recht selten vorkommende Mesotheliom – ein Krebs, der das Lungenfell betrifft und meistens durch Asbest verursacht wird. Zwischen 500.000 und 1.000.000 Arbeitsplätze in Deutschland sind vermutlich asbestgefährdet. Allerdings entsteht diese Krebsart i. d. R. erst nach 15 bis 50 Jahren. Darüber hinaus können sich in der Lunge Metastasen finden, Töchtergeschwülste einer anderen Krebsart, nachdem Tumorzellen gestreut haben und über den Blut- und Lymphweg in die Lunge gelangt sind, sich dort angesiedelt und vermehrt haben.
Obwohl die Heilungschancen beim Bronchialkarzinom insgesamt gering sind und nicht zuletzt von der Art, vom Stadium und der Ausbreitung des Krebses abhängen, gelingt es mittels moderner Therapieverfahren häufig eine Lebensverlängerung, zumindest aber eine Verzögerung des Krankheitsverlaufs zu erreichen. Falls sich der Tumor operativ entfernen lässt und sich noch keine Metastasen im Körper gebildet haben, kann durchaus eine Chance auf Heilung bestehen. Die relative Überlebensrate beträgt in den ersten fünf Jahren nach Stellung der Diagnose etwa 15 %. Die ungünstigste Prognose hat dabei das kleinzellige Bronchialkarzinom.
Christa Windmüller